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Kulturstaatsministerin Grütters zur Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises 2014

Datum
20.11.2014 19:00 Uhr

Kulturstaatsministerin Grütters hat in Hamburg den Deutschen Kurzfilmpreis 2014 verliehen. Der Kurzfilm gelte vielen nicht zu Unrecht als höchste filmische Kunstform, ja als die wahre Filmavantgarde, erklärte Grütters.

[Es gilt das gesprochene Wort]

Anrede,

Einer der produktivsten Drehbuchautoren, Jean-Claude Carrière, hat seinen Kolleginnen und Kollegen in der Filmbranche einmal ans Herz gelegt, die Phantasie und das Geschichtenerzählen so zu trainieren wie einen Muskel. Über seine Zusammenarbeit mit großen Regisseuren von Buñuel bis Schlöndorff hat er einmal in einem Interview mit der FAZ gesagt: "Wir müssen zusammensitzen, müssen reden, manchmal über was ganz anderes, Kindheitserinnerungen etwa, und die Geschichte langsam einkreisen. Und wenn einer eine Idee hat, erzählt er sie dem anderen, indem er sie spielt."

Wie auch immer Sie die Muskeln Ihrer Kreativität trainieren, liebe Nominierte, ob durch schauspielerisches Ausprobieren oder auch, so wie heute in der Hamburg Media School, im Rahmen von Workshops - eines ist gewiss: Gerade beim Kurzfilm ist kreative "Muskelkraft" nicht alles. Das Verdichten des Erzählstoffs erfordert Präzision wie beim Speerwerfen, Experimentierfreude wie im Tanz, Mut zum Risiko wie im Kampfsport und souveränen Überblick wie beim Schach. In all diesen Disziplinen haben Ihre Beiträge überzeugt.

Schon die Nominierung für den Deutschen Kurzfilmpreis, mit Preisgeldern von heute insgesamt 260.000 Euro der höchstdotierte Preis für das Genre Kurzfilm deutschlandweit, ist eine große Auszeichnung. Dazu gratuliere ich Ihnen allen herzlich! Einen Applaus verdient haben auch die Jurymitglieder, die sich ihrer ehrenamtlichen Aufgabe mit viel Zeit und Energie gewidmet haben, ebenso unsere Gastgeber, die Hamburg Media School und die Studio Hamburg GmbH, sowie die Sponsoren der Preisgala. Herzlichen Dank Ihnen allen für Ihre Unterstützung des Deutschen Kurzfilmpreises!

Meine Damen und Herren, als Kulturstaatsministerin habe ich öfter das Vergnügen, Preise vergeben zu dürfen, und ich freue mich jedes Mal, fantasiebegabte und experimentierfreudige Künstlerinnen und Künstler für Arbeiten auszuzeichnen, in denen man förmlich das Herzblut pulsieren fühlt. Heute Abend kommt zu diesem Vergnügen noch meine ganz persönliche Vorliebe für den Kurzfilm hinzu, der vielen nicht zu Unrecht als höchste filmische Kunstform, ja als die wahre Filmavantgarde gilt. Auch mich begeistern immer wieder die außergewöhnlichen erzählerischen und gestalterischen Mittel, mit denen Kurzfilme aus dem Staub des Alltags die Goldkörner heraus sieben oder uns in weniger als einer halben Stunde tief in menschliche, zwischenmenschliche und gesellschaftliche Abgründe blicken lassen. Es spricht für die exzellente Ausbildung in Deutschland, dass gerade Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschule bei Filmfestivals in dieser filmischen Königsdisziplin immer wieder glänzend abschneiden: Erst vor kurzem gab es wieder Gold - für den Psychothriller "Nocebo", den Abschlussfilm von Lennart Ruff an der HFF München, der beim "Studenten Oscar", den "Student Academy Awards 2014", als bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde.

Umso bedauerlicher ist es, dass das Kurzfilmgenre heute ein Schattendasein fristet und Kurzfilme im Hype um die großen Produktionen und die Abend füllenden Blockbuster, wenn überhaupt, vielfach nur als Spielwiese und Experimentierfeld für den Filmnachwuchs wahrgenommen werden. Ich persönlich kann mich, anders als vermutlich die meisten unserer Nominierten, noch an die Zeit erinnern, als ein Kurzfilm im Kino so zwingend zum Vorprogramm des Hauptfilms gehörte wie heute die Eis-Werbung. Um Kurzfilme heute wieder ins Vorprogramm zu bringen, gibt es seit 2009 eine Förderung der FFA für Kinobetreiber, die Kurzfilme als Vorfilm zeigen. Die ausgereichte Fördersumme wurde 2014 noch einmal erhöht (von 1.500 Euro auf 2.000 Euro für das Kurzfilmprogramm).

Darüber hinaus vergibt mein Haus jährlich Produktionsförderungen für Kurzfilme in Höhe von insgesamt bis zu 250.000 Euro - 16 Vorhaben fördern wir damit in diesem Jahr. Weil vor allem Festivals dem Kurzfilm eine Bühne - oder besser: eine Leinwand - bieten, stellen wir für den nationalen Wettbewerb des Filmfests Dresden jährlich 20.000 Euro und für die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen jährlich 50.000 Euro zur Verfügung. Zur Beratung des filmischen Nachwuchses und zur Verbesserung der Marktchancen für Kurzfilme fördern wir schließlich die KurzFilmAgentur Hamburg und die AG Kurzfilm, deren Geschäftsführerinnen ich bei dieser Gelegenheit herzlich für ihre engagierte Arbeit danke.

Wie Sie sicherlich wissen, meine Damen und Herren, werden alle Filme des heutigen Abends im kommenden Jahr bei der "Kinotournee des Deutschen Kurzfilmpreises 2014" deutschlandweit in unzähligen Kinos zu sehen sein. Ich hoffe, dass sich viele Kinobetreiber daran beteiligen, damit das Genre des Kurzfilms die Aufmerksamkeit bekommt, die es angesichts der Kreativität und Experimentierfreude der Filmemacherinnen und Filmemachern verdient. Dazu soll auch der deutschlandweite Kurzfilmtag am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, beitragen, über den ich dieses Jahr gerne die Schirmherrschaft übernommen habe.

Im Sinne einer vielfältig blühenden Filmlandschaft, in der auch anspruchsvollere Pflänzchen gedeihen, ist es wichtig, dass alle Kinos den Sprung in die digitale Ära schaffen. Dazu haben Bund und Länder Förderprogramme aufgelegt. Allein mit den Fördermitteln meines Hauses in Höhe von 21 Millionen Euro und den Mitteln der Filmförderungsanstalt in Höhe von 15 Millionen Euro konnten mehr als 1.550 Leinwände umgerüstet werden. Gerade kleinere Kinos in der Fläche sind bisher leider wegen der geltenden Mindestumsatz- und Besuchergrenzen aus unserem Förderraster gefallen. Genau diese Kinos sind es aber häufig, die sich nicht nur den Kassenschlagern, sondern auch und besonders der Filmkunst verpflichtet sehen. Deshalb habe ich vor kurzem ein zusätzliches Förderprogramm in Höhe von rund 900.000 Euro aufgelegt, das insbesondere kleinere Kinos mit filmkunstorientiertem Angebot bei der Umstellung auf digitales Abspiel unterstützen soll. Das ist eine weitere Investition in die Zukunftsfähigkeit des Kulturguts Film, die hoffentlich auch dem Kurzfilm zugute kommt.

Für die Filmkunst wie auch generell für die Rolle der Kultur in unserer Gesellschaft gilt: Sie ist avantgardistisch im besten Sinn, sie darf unbequem sein, sie gehört zum kritischen Korrektiv gesellschaftlicher Entwicklungen. Wenn sie dann auch noch unterhaltsam ist - umso besser! Der Film ist ja besonders intensiv, sinnlich und emotional und erreicht damit die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Auch deshalb ist und bleibt die Filmförderung eine starke Säule unserer Kulturförderung: eine Filmförderung, die die ganze Vielfalt filmischen Schaffens abdeckt, und nicht nur den großen Produktionen gilt.

Meine Damen und Herren, liebe Nominierte: In der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze - die des Kurzfilms, aber auch die der Politikerrede. Hier wie dort braucht es, frei nach Mark Twain gesagt, einen guten Anfang und ein gutes Ende - und beides sollte möglichst dicht beieinander liegen. Das ist den Preisträgerinnen und Preisträgern - so viel kann ich sagen, ohne der Preisverleihung vorzugreifen - ganz eindeutig besser gelungen als mir, die ich meine Redezeit wohl etwas überzogen habe. Ein Grund mehr, die Bühne frei zu geben, damit wir möglichst schnell zum Höhepunkt dieses Abends - der Preisverleihung - kommen können, bevor es anschließend nach oben in die 23. Etage zur Aftershowparty geht. Mit diesen schönen Aussichten wünsche ich Ihnen allen einen spannenden und inspirierenden Abend!