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Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Freitag, 12. Oktober 2012

Pressemitteilung: 
341
Ausgabejahr
2012

Deutscher Kurzfilmpreis 2012

Nominierungen für den Deutschen Kurzfilmpreis

Aus 305 wettbewerbsfähigen Filmvorschlägen sind von den Jurys Deutscher Kurzfilmpreis 12 Filme nominiert worden.

KurzfilmpreisBild vergrößern Logo Deutscher Kurzfilmpreis Foto: Kurzfilmpreis

Kulturstaatsminister Bernd Neumann wird am 29. Oktober 2012 in München den Deutschen Kurzfilmpreis 2012 verleihen.

Filmpreise in Gold können vergeben werden für Spielfilme mit einer Laufzeit bis sieben Minuten und von mehr als sieben Minuten bis 30 Minuten Laufzeit, für Animationsfilme, Experimentalfilme und für Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten. Die Kurzfilmpreise in Gold sind mit einer Prämie bis zu jeweils 30.000 Euro verbunden. Im Zusammenhang mit dem Deutschen Kurzfilmpreis kann ein fakultativer Sonderpreis für Filme mit einer Laufzeit von mehr als 30 bis 78 Minuten Laufzeit vergeben werden, der mit einer Prämie bis zu 20.000 Euro verbunden ist.

In diesem Jahr wird erstmals die Kategorie Animations-/Experimentalfilm geteilt, so dass sowohl für den Animationsfilm als auch für den Experimentalfilm zwei Nominierungen, davon jeweils mit einem Filmpreis in Gold, vergeben werden können. Mit dieser Neuregelung erhöht sich das Preisgeld für den Deutschen Kurzfilmpreis um 45.000 Euro auf 275.000 Euro.

Aus 305 wettbewerbsfähigen Filmvorschlägen sind von den Jurys Deutscher Kurzfilmpreis (Spielfilm) und Deutscher Kurzfilmpreis (Animationsfilm, Experimentalfilm, Dokumentarfilm, Sonderpreis) insgesamt 12 Filme nominiert und der Sonderpreis vergeben worden. Mit der Nominierung ist eine Prämie von 15.000 € verbunden. Die Nominierungsprämie wird auf den Filmpreis in Gold angerechnet.

Die Jury Deutscher Kurzfilmpreis (Spielfilm) entschied in der Zusammensetzung Frank Becher, Berlin (Produzent), Kathrin Häger, Köln (Filmkritikerin, Drehbuchlektorin), Andrea Hohnen, Berlin (Programmleiterin FIRST STEPS), Anke Lindenkamp, Hamburg (Vorsitzende der Jury, Redakteurin ZDF/ARTE) und Johannes Selle, Sondershausen/Berlin (Mitglied des Deutschen Bundestages).

Die Jury Deutscher Kurzfilmpreis (Animationsfilm, Experimentalfilm, Dokumentarfilm, Sonderpreis) setzte sich wie folgt zusammen: Alexandra Gramatke, Hamburg (Vorsitzende der Jury, Geschäftsführerin der KurzFilmAgentur Hamburg), Ralf Kukula, Dresden (Produzent), Meike Martens, Köln (Produzentin), Ulla Schmidt, Aachen/Berlin (Mitglied des Deutschen Bundestages) und Daniel Sponsel, München (Leiter des Int. Dokumentarfilmfestivals München).

Für den Deutschen Kurzfilmpreis 2012 sind folgende Filme nominiert:

Spielfilme mit einer Laufzeit bis 7 Minuten

"The centrifuge brain project"

Hersteller: Till Nowak, Hamburg
Regie u. Drehbuch: Till Nowak
Laufzeit: 7 Minuten

Keine Frage: Hohe Zentrifugalkräfte hinterlassen Wirkungen in unserem Gehirn. Das zumindest macht uns Dr. Nick Laslowicz glauben, der seit 30 Jahren Karussells für die wissenschaftliche Forschung konstruiert. Ein Kämpfer gegen die Erdanziehungskraft, der in diesem kurzen Film von Till Nowak porträtiert wird. „The Centrifuge Brain Project“ ist kein Dokumentarfilm, sondern genauso pure Fiktion wie die Karussells, die uns in diesem äußerst unterhaltsamen und schelmisch daherkommenden Kurzfilm vorgestellt werden. Ein absolut glaubwürdiger Protagonist sowie die ganz hervorragende Einbindung der computergenerierten Fahrgeschäfte in reale Jahrmarktsumgebungen zeichnen diesen Mockumentary aus. Ein Kurzfilm, der zeigt, dass gute und anspruchsvolle Unterhaltung auch in wenigen Minuten möglich ist.

Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als 7 bis 30 Minuten Laufzeit

"Crazy Dennis Tiger"

Hersteller: Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, Potsdam, in Koproduktion mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg
Regie: Jan Soldat
Drehbuch: Jan Soldat und Roman Gielke
Laufzeit: 27 Minuten

Dennis und Philipp sind halbstarke Brüder, irgendwo in der ostdeutschen Provinz, dargestellt von den Brüdern Dennis und Philipp Kamitz. Ihr raubeiniger, wortkarger Umgang kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie nah sie sich stehen. Als Philipp nach einem Sportunfall, den ein Wrestlingkämpfer verursacht hat, als Gefährte und spielerischer Sparringpartner ausfällt, ist Dennis plötzlich allein. Er übernimmt Philipps Job im Supermarkt, hat aber das Bedürfnis, seinen großen Bruder zu rächen. In präzisen, naturalistischen Bildern, die fast ohne Worte auskommen, erzählt der Film von Dennis’ Suche nach Mitteln, seiner Wut und Enttäuschung Ausdruck zu verleihen. Seine Hilflosigkeit, den erwachsenen Wrestler zu bestrafen, entwickelt der Film mit einer klaren Dramaturgie, die immer bei Dennis bleibt. In ruhigen, starken Bildern erzählt er seine Entwicklung mit einem konstruktiven Ende, das für Dennis Emanzipation steht.

"Die Schaukel des Sargmachers"

Hersteller: Internationale Filmschule Köln in Koproduktion mit Elmár Imánov und Eva Blondiau
Regie und Drehbuch: Elmár Imánov
Laufzeit: 29 Minuten

Es sind großartige Totalen, mit denen wir ins Aserbaidschanische Hügelland entführt werden, in dem der Boden so trocken erscheint, wie die Kommunikation der Einwohner. Isoliert lebt der Sargmacher Yagub hier mit seinem erwachsenen, geistig behinderten Sohn Musa. Die Mutter ist schon lange tot, nun prügelt der Vater frustriert auf Musa ein oder stößt Befehle aus. Als bei Musa ein unheilbarer Lungentumor diagnostiziert wird, versucht Yagub die letzten Wochen seines Sohnes lebenswert zu gestalten und findet dabei seine Vaterliebe wieder.

Mit immer schöneren Taten der Zuneigung schildert „Die Schaukel des Sargmachers“ in wortkargen Szenarien von der rührenden Aufweichung eines verstockten Vaters in vermeintlich „letzter Minute“. Schmerzhafte Ungerechtigkeit, Tragik, aber auch Humor und Katharsis – kurz: großes Kino und große Emotionen werden hier derart aussagekräftig in einen Kurzfilm gepackt, dass keine Minute verschenkt erscheint.

"Heimkommen"

Hersteller: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin in Koproduktion mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg
Regie: Micah Magee
Drehbuch: Magdalena Grazewicz
Laufzeit: 23 Minuten

Es beginnt mit einem schrecklichen Verlust. Bei einem Verkehrsunfall stirbt Roberts Freundin, und seine 11-jährige Schwester Jo spürt, dass er ihr die Schuld daran gibt. Robert frisst den Schmerz in sich hinein, aber in stummen Zweikämpfen wird sein Hass spürbar: Beethoven gegen HipHop. Irgendwann beginnt Jo, sich aus diesem Gewirr aus Schuld und Tod freizukämpfen. Statt Cello spielt sie nun Eishockey. Sie lernt sich behaupten in der Kälte. Einmal schwebt sie, ein stilles, zartes, einsames Kind, in der schweren Kluft übers Eis wie eine Tänzerin. Und mit stoischem Willen wird sie am Ende, in einer ebenso sparsamen wie anrührenden Szene, den Panzer ihres Bruders knacken. Das ist ein großes Drama von Schuld und Versöhnung, erzählt in kleinen Gesten, inszeniert mit zwei außerordentlichen jungen Darstellern. Virtuose Bildsprache, sparsame Dialoge, subtile Tongestaltung, eine fast dokumentarische Genauigkeit im Detail – und das alles getragen von einer cineastischen Vision: großes Kino in 23 Minuten.

"Wenn alle da sind"

Hersteller: Passanten Filmproduktion, München, in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Fernsehen und Film München
Regie und Drehbuch: Michael Krummenacher
Laufzeit: 27 Minuten

Eine hochschwangere Lehrerin im Alleingang, eine Schülerin mit tödlicher Bienenstichallergie, Serpentinen mit vorbeirasenden Autos und zwei beste Freunde, die stiften gehen. Das sind die vermeintlichen Risikofaktoren eines Schulausflugs mit fatalen Folgen. Gekonnt wird der Zuschauer auf falsche Fährten geschickt, während sich die Kamera, fahrend, statisch beobachtend oder verirrt wie ihre eingefangenen Figuren, ins herrliche Panorama der Schweizer Gebirge und Wälder begibt.

„Wenn alle da sind“ erzählt uns feinfühlig und mit großartiger Schauspielführung von erster Liebe und Zurückweisung, von jugendlicher Freundschaft, die in Hass umschlagen kann – und von einer jungen Lehrerin, die die enttäuschten Gesichter nicht ertragen kann und alleine mit ihren Schützlingen loszieht, obwohl die zweite Aufseherin nicht auftaucht. Spannend entwickelt sich dieser mitreißende Kurzfilm, der seine latente Beunruhigung zu streuen und zu erfüllen weiß.

"Zu Hause"

Hersteller: Via Distelberg Produktion (Felix Wernitz), München und Druid (Nenad Mikalacki), Novi Sad/Serbien
Regie: Nenad Mikalacki
Drehbuch: Felix Wernitz und Nenad Mikalacki
Laufzeit: 20 Minuten

Driton und Niko, zwei junge Ashkali-Roma, sind aus Deutschland nach Serbien abgeschoben worden, in ein Land, dessen Sprache sie nicht sprechen. Auf der Suche nach Arbeit begegnen sie einer alten Dame aus Deutschland, die ihrerseits auf der Suche nach dem Haus ihrer Kindheit ist.

Der Film schildert auf bewegende Weise die ungewöhnliche Begegnung der jungen mit der alten Generation, beide auf unterschiedliche Weise auf der Suche nach einem Stück Heimat. Sie müssen jedoch feststellen, dass ihnen die Heimat fremd geworden ist. Der Film überzeugt durch die schauspielerische Leistung und seine eindringliche Bildsprache. Zudem gelingt es Nenad Mikalacki, dass wir uns nachhaltig mit einem Thema auseinander setzen, das heute an jedem Ort der Welt relevant ist und nach einer Antwort auf die Frage sucht: Was und wo ist „Zu Hause“?

Animationsfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten

"Die Prinzessin, der Prinz und der Drache mit den grünen Augen"

Hersteller: Studio Soi GmbH & Co. KG Filmproduktion, Ludwigsburg
Regie: Jakob Schuh, Bin-Han To
Drehbuch: Angelika Glitz
Laufzeit: 7 Minuten

Was zeichnet einen guten Kinderfilm aus? Genau, dass nämlich auch die Erwachsenen auf ihre Kosten kommen. Die Geschichte von der Prinzessin, dem Prinzen und dem Drachen spielt mit Rollenklischees und kehrt die üblichen Verhältnisse auf originelle und sympathische Weise um. Jeder bekommt am Ende, was er verdient. So verschmitzt und direkt die Dialoge sind, so kommt auch die Gestaltung daher. Einfache Animation, trendiges Retrodesign und knackiges Timing bewirken einen stimmigen Eindruck. Es ist alles da, was die Geschichte braucht. Auf Schnörkel und erzählerische Umwege haben die Macher getrost verzichtet. Nichts lenkt von den Figuren und der Handlung ab. Der Sub-Text für die Älteren bricht sich freie Bahn. Und wenn sie nicht gestorben sind, putzt der Drache wohl noch heute die Teller und heizt nicht nur dem Kessel ein.

"House"

Hersteller: Ahmad Saleh, Köln
Regie: Ahmad Saleh
Drehbuch: Ahmad Saleh, Saleh Saleh
Laufzeit: 4 Minuten

In einem nüchternen Akt der fortschreitenden Exklusion wird den Bewohnern eines Hauses in dieser Metapher auf die Geschichte Palästinas Stück für Stück genommen, was ihr Leben bisher ausgezeichnet hat: Ihr Heim, ihre Rechte, ihr Lebensraum. Ahmad Saleh erzählt dies alles in liebevoll arrangierten Bildern. Sie wirken fast naiv. Doch gerade in der einfachen Darstellung offenbaren sich die Brutalität und Ungerechtigkeit der fortschreitenden Enteignung, Ausgrenzung und Vertreibung besonders deutlich. Die Ereignisse geschehen unvermittelt, grund- und sinnlos.

Auch wenn „House“ eine sehr persönliche Geschichte zugrundeliegt, so schafft es doch ein universelles Bild des Schreckens einer andauernden Besetzung und der zerstörerischen Kraft des Missbrauchs von Macht und Eigentum.

Experimentalfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten

"Ich fahre mit dem Fahrrad in einer halben Stunde an den Rand der Atmosphäre"

Hersteller: Michel Klöfkorn, Frankfurt/Main
Regie u. Drehbuch: Michel Klöfkorn
Laufzeit: 10 Minuten

Der Titel des Films ist Programm. Und auch wenn wir keine halbe Stunde fahren, sondern lediglich 12 Minuten, so erahnen wir die Weite des atmosphärischen Raumes, den das lyrische Ich auf dem Fahrrad durchquert. Es ist ein Raum, der sich zu einer poetischen Reise durch Eindrücke aus der Gesellschaft, und auch der Natur zusammenfügt – versetzt mit Fragmenten aus Geschichte und Gegenwart. Wir erfahren Geschwindigkeit, Mobilität, Wandel und Wiederkehr. Die Eindrücke wechseln rasend schnell und kehren wieder: Schwärme, Herden, Vernetzung, Schriftzeichen, Laute wie Stimmengewirr und Gesumm. Mit hohem handwerklichem Geschick kreiert Michael Klöfkorn auf diese Art ein subtiles und facettenreiches Grundrauschen unserer Gesellschaft. Ein Film, dessen Andeutungen anregend wirken.

"Olgastraße 18"

Hersteller: Filmakademie Baden-Württemberg in Koproduktion mit Liv Scharbatke, Ludwigsburg
Regie u. Drehbuch: Liv Scharbatke, Jörg Rambaum
Laufzeit: 4 Minuten

“Wohnst Du noch oder lebst Du schon“, so heißt es provokant in einem Werbespruch eines bekannten Möbelhauses. Dieser kurze Fotoanimationsfilm erzählt die ganze Lebensgeschichte einer Kleinfamilie irgendwo in Deutschland nur anhand des Inventars und das in nicht einmal vier Minuten. Liv Scharbatke und Jörg Rambaum besitzen den Mut und die Genauigkeit in der Erzählung und Ausstattung, auch die großen Emotionen in den Lebensstationen einer Familie, wie die Geburt eines Kindes, die Scheidung und den Tod quasi en passant beim Durchstreifen der Wohnräume zu berühren. Dieser Film ist ein Dokument deutscher Wohnkultur und eine berührende intime filmische Zeitreise gleichermaßen.

Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten

"Erntefaktor Null"

Hersteller: Whatever Works Produktion in Koproduktion mit der Hochschule für Fernsehen und Film München und Grabow & Bartetzko Filmproduktion, München
Regie u. Drehbuch: Helena Hufnagel
Laufzeit: 28 Minuten

Eine Berghütte vor dem Haupteingang, eine Grundschule im Verwaltungsgebäude, und ein Hausmeister der ins Schwärmen gerät, wenn er bei seinen einsamen Rundgängen von der Technik erzählt. Das Atomkraftwerk in Zwentendorf an der Donau, das einzige Österreichs, ist aufgrund eines Volksentscheids nie ans Netz gegangen. Seit 1978 wird hier liebevoll der Leerstand und eine Technik verwaltet, die einst als Segen der Industriegesellschaft gefeiert wurde. Dem Film gelingt mit seiner detailreichen aber unaufgeregten Ortsbeschreibung eine eindringliche Bestandsaufnahme einer schwer beherrschbaren Technik, die vielerorts weiterhin im Einsatz ist. Mit den jüngsten Ereignissen im Kopf, wird diese filmische Zeitreise von Helena Hufnagel für den Zuschauer umso bizarrer.

"Feiertage"

Hersteller: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Regie: Christin Freitag, Hanna Mayser
Drehbuch: Christin Freitag, Hanna Mayser
Laufzeit: 22 Minuten

Ein altes Ehepaar auf dem platten Land bereitet sich auf Weihnachten vor. Klingt nicht gerade spektakulär. Und genau darin liegt die Stärke dieses Films. Indem die Kamera unaufdringlich, aber auch unerbittlich die beiden knorrigen Protagonisten Helga und Kurt eine Weile lang einfach beobachtet, fängt der Film wie nebenbei und mit leisem Humor viele Nuancen ein, die aus dieser Miniatur etwas viel Größeres machen: einen Film über das Alter, das Zusammenleben, Familie, Heimat. Uns hat beeindruckt, dass „Feiertage“ sich traut, ohne große Sensationen auszukommen und stattdessen die kleinen Sensationen dort aufspürt, wo wir kaum hinschauen, weil es uns zu vertraut ist – im ganz normalen Leben.