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Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Montag, 29. Oktober 2012

Ausgabejahr:
2012

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat Deutschen Kurzfilmpreis 2012 vergeben

In München wurde heute von Kulturstaatsminister Bernd Neumann der Deutsche Kurzfilmpreis 2012 verliehen.

Hochschule für Fernsehen und Film München Hochschule für Fernsehen und Film Foto: picture alliance / dpa

Die Preisträger und Preisträgerinnen sind:

Mit dem Kurzfilmpreis in Gold für Spielfilme mit einer Laufzeit bis sieben Minuten wurde der Film „The centrifuge brain project“, Hersteller: framebox, Till Nowak (Hamburg), ausgezeichnet. Regie: Till Nowak.

Den Kurzfilmpreis in Gold für Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten erhielt der Film „Heimkommen“, eine Koproduktion der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Regie führte Micah Magee.

Der Kurzfilmpreis in Gold für Dokumentarfilme ging an den Film „Feiertage“, Hersteller: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, Regie: Christin Freitag und Hanna Mayser.

Den Kurzfilmpreis in Gold für Animationsfilme gewann der Film „Die Prinzessin, der Prinz und der Drache mit den grünen Augen“, Hersteller: Studio Soi GmbH & Co. KG Filmproduktion, Ludwigsburg. Regie: Jakob Schuh und Bin-Han To.

„Ich fahre mit dem Fahrrad in einer halben Stunde bis an den Rand der Atmosphäre“, Produktion und Regie: Michel Klöfkorn, Frankfurt/Main, wurde mit dem Kurzfilmpreis in Gold für den besten Experimentalfilm ausgezeichnet.

Trailer der preisgekrönten Kurzfilme


Nominiert waren zusätzlich die Kurzfilme:

  • „Crazy Dennis Tiger“ (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Hochschule für Film und Fern-sehen „Konrad Wolf“, Potsdam, in Koproduktion mit dem Rund-funk Berlin-Brandenburg (Regie: Jan Soldat).
  • „Die Schaukel des Sargmachers“ (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Internationale Film-schule Köln in Koproduktion mit Elmár Imánov und Eva Blondiau (Regie: Elmár Imánov).
  • „Wenn alle da sind“ (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Passanten Filmproduktion, München, in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Fernsehen und Film München (Regie: Michael Krummenacher).
  • „Zu Hause“ (Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten), Hersteller: Via Distelberg Produktion, Felix Wernitz, München und Druid, Nenad Mikalacki, Novi Sad (Serbien), Regie: Nenad Mikalacki.
  • „Erntefaktor Null“ (Dokumentarfilm), Hersteller: Whatever Works Produktion in Koproduktion mit der Hochschule für Fernsehen und Film München und Grabow & Bartetzko Filmproduktion, München (Regie: Helena Hufnagel)
  • „House“ (Animationsfilm), Hersteller: Ahmad Saleh, Köln (Regie: Ahmad Saleh).
  • „Olgastraße 18“ (Experimentalfilm), Hersteller: Filmakademie Baden-Württemberg in Kooperation mit Liv Scharbatke Ludwigsburg

Mit dem Sonderpreis für Filme mit einer Laufzeit von mehr als 30 bis 78 Minuten wurde der Spielfilm „Dicke Mädchen“, Hersteller: Sehr gute Filme GbR, Berlin (Regie: Axel Ranisch), ausgezeichnet. Dieser Preis ist mit einer Prämie von 20.000 Euro verbunden.

Der bedeutendste und am höchsten dotierte Preis in Deutschland für den Kurzfilm ist in diesem Jahr in Kooperation mit der Hochschule für Fernsehen und Film München verliehen worden.

Für den Deutschen Kurzfilmpreis 2012 wurden insgesamt zwölf Filme nominiert. Mit der Nominierung ist eine Prämie von 15.000 Euro ver-bunden, für den Filmpreis in Gold erhält der Hersteller eine Prämie von 30.000 Euro. Die Nominierungsprämie wird auf den Filmpreis in Gold angerechnet. Die Prämie ist an die Herstellung eines neuen Kurzfilms oder Films mit künstlerischem Rang oder seine Projektvorbereitung gebunden. Durch die Preisverleihung führte die Moderatorin Katty Salié (ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“).

Informationen zum Deutschen Kurzfilmpreis 2012 mit Trailern der ausgezeichneten Filme finden Sie unter: www.deutscher-kurzfilmpreis.de.

Die AG Kurzfilm organisiert auch im kommenden Jahr wieder eine Tournee aller prämierten Filme durch die Kinos (Näheres unter: www.kurzfilmtournee.de).

Begründungen der Jurys Deutscher Kurzfilmpreis:

„The centrifuge brain project“
Keine Frage: Hohe Zentrifugalkräfte hinterlassen Wirkungen in unserem Gehirn. Das zumindest macht uns Dr. Nick Laslowicz glauben, der seit 30 Jahren Karussells für die wissenschaftliche Forschung konstruiert. Ein Kämpfer gegen die Erdanziehungskraft, der in diesem kurzen Film von Till Nowak porträtiert wird. „The centrifuge brain project“ ist kein Dokumentarfilm, sondern genauso pure Fiktion wie die Karussells, die uns in diesem äußerst unterhaltsamen und schelmisch da-herkommenden Kurzfilm vorgestellt werden. Ein absolut glaubwürdiger Protagonist sowie die ganz hervorragende Einbindung der computergenerierten Fahrgeschäfte in reale Jahrmarktsumgebungen zeichnen diesen Mockumentary aus. Ein Kurzfilm, der zeigt, dass gute und anspruchsvolle Unterhaltung auch in wenigen Minuten möglich ist.

„Heimkommen“
Es beginnt mit einem schrecklichen Verlust. Bei einem Verkehrsunfall stirbt Roberts Freundin, und seine 11-jährige Schwester Jo spürt, dass er ihr die Schuld daran gibt. Robert frisst den Schmerz in sich hinein, aber in stummen Zweikämpfen wird sein Hass spürbar: Beethoven gegen HipHop. Irgendwann beginnt Jo, sich aus diesem Gewirr aus Schuld und Tod freizukämpfen. Statt Cello spielt sie nun Eishockey. Sie lernt sich behaupten in der Kälte. Einmal schwebt sie, ein stilles, zartes, einsames Kind, in der schweren Kluft übers Eis wie eine Tänzerin. Und mit stoischem Willen wird sie am Ende, in einer ebenso sparsamen wie anrührenden Szene, den Panzer ihres Bruders knacken. Das ist ein großes Drama von Schuld und Versöhnung, erzählt in kleinen Gesten, inszeniert mit zwei außerordentlichen jungen Darstellern. Virtuose Bildsprache, sparsame Dialoge, subtile Tongestaltung, eine fast dokumentarische Genauigkeit im Detail – und das alles getragen von einer cineastischen Vision: großes Kino in 23 Minuten.

„Feiertage“
Ein altes Ehepaar auf dem platten Land bereitet sich auf Weihnachten vor. Klingt nicht gerade spektakulär. Und genau darin liegt die Stärke dieses Films. Indem die Kamera unaufdringlich, aber auch unerbittlich die beiden knorrigen Protagonisten Helga und Kurt eine Weile lang einfach beobachtet, fängt der Film wie nebenbei und mit leisem Humor viele Nuancen ein, die aus dieser Miniatur etwas viel Größeres machen: einen Film über das Alter, das Zusammenleben, Familie, Heimat. Uns hat beeindruckt, dass „Feiertage“ sich traut, ohne große Sensationen auszukommen und stattdessen die kleinen Sensationen dort aufspürt, wo wir kaum hinschauen, weil es uns zu vertraut ist – im ganz normalen Leben.

„Die Prinzessin, der Prinz und der Drache mit den grünen Augen“
Was zeichnet einen guten Kinderfilm aus? Genau, dass nämlich auch die Erwachsenen auf ihre Kosten kommen. Die Geschichte von der Prinzessin, dem Prinzen und dem Drachen spielt mit Rollenklischees und kehrt die üblichen Verhältnisse auf originelle und sympathische Weise um. Jeder bekommt am Ende, was er verdient. So verschmitzt und direkt die Dialoge sind, so kommt auch die Gestaltung daher. Einfache Animation, trendiges Retrodesign und knackiges Timing bewirken einen stimmigen Eindruck. Es ist alles da, was die Geschichte braucht. Auf Schnörkel und erzählerische Umwege haben die Macher getrost verzichtet. Nichts lenkt von den Figuren und der Handlung ab. Der Subtext für die Älteren bricht sich freie Bahn. Und wenn sie nicht gestorben sind, putzt der Drache wohl noch heute die Teller und heizt nicht nur dem Kessel ein.

„Ich fahre mit dem Fahrrad in einer halben Stunde an den Rand der Atmosphäre“
Der Titel des Films ist Programm. Und auch wenn wir keine halbe Stunde fahren, sondern lediglich 12 Minuten, so erahnen wir die Weite des atmosphärischen Raumes, den das lyrische Ich auf dem Fahrrad durchquert. Es ist ein Raum, der sich zu einer poetischen Reise durch Eindrücke aus der Gesellschaft, und auch der Natur zusammenfügt – versetzt mit Fragmenten aus Geschichte und Gegenwart. Wir erfahren Geschwindigkeit, Mobilität, Wandel und Wiederkehr. Die Eindrücke wechseln rasend schnell und kehren wieder: Schwärme, Herden, Vernetzung, Schriftzeichen, Laute wie Stimmengewirr und Gesumm. Mit hohem handwerklichem Geschick kreiert Michael Klöfkorn auf diese Art ein subtiles und facettenreiches Grundrauschen unserer Gesellschaft. Ein Film, dessen Andeutungen anregend wirken.

„Dicke Mädchen“
Der No-Budget-Film bespielt ganze Themenfelder. Es rappelt im Karton, Plotpoint jagt Plotpoint. Und doch schaffen Regisseur Axel Ranisch und die grandiose Improvisation von Ruth Bickelhaupt, Heiko Pinkowski und Peter Trabner immer wieder berührend komische und traurige Momente. Eine demente Mutter macht die besondere Perspektive auf das Leben ihres Sohnes und ihres Pflegers möglich, öffnet unseren Blick dafür, wie wir alles ja auch und anders sehen könnten. In den eigentümlichen Annäherungsversuchen der beiden Männer zeigen sich die Hürden, die es zu meistern gilt, wenn Rollenvorbilder in biografischen Konstellationen nicht taugen. Schließlich bleibt der eine und der andere macht sich doch davon. Wir spüren die Befreiung – aus einer Enge, die wir gar nicht mehr als solche erlebt haben.